Wir verwenden Cookies

Mit Ihrem Besuch stimmen Sie der Verwendung von Cookies zur Verbesserung unseres Service zu. Näheres hierzu finden Sie in unseren Datenschutzrichtlinien.

Akzeptieren Ablehnen

MIT HOCHFREQUENZ AN DIE WELTSPITZE

Im Interview mit Dr. Hans Hesse von ­Hesse Mechatronics Der Paderborner Spezialist für Ultraschall-Drahtbonder und -Schweißanlagen gehört zu den weltweit erfolgreichsten Anbietern auf diesem Gebiet. Mit den vollautomatischen Maschinen lassen sich unter anderem elektrisch leitende Verbindungen in höchster Präzision zwischen Halbleitern und den sie tragenden Substraten herstellen – zum Beispiel zwischen Komponenten der Hochfrequenztechnik, der Leistungselektronik, der Medizintechnik, der Fahrzeugelektronik oder zwischen Zellen in Batteriemodulen. Gründer und CEO Dr. Hans Hesse gibt einen Einblick in die herausfordernden Phasen seines unternehmerischen Wegs.

Herr Dr. Hesse, wie wurden Sie Unternehmer?

Dr. Hans Hesse —

Dafür brauchte es im Rückblick eine Reihe von guten Fügungen. Ich hatte als junger Mann zwar immer mal wieder darüber nachgedacht, eine Firma zu gründen, hatte aber keine wirkliche Idee, wie man so etwas macht. Wenn man Ingenieur wird, beschäftigt man sich eher mit technischen Sachverhalten. So arbeitete ich nach meiner Promotion zunächst als wissenschaftlicher Assistent am Dortmunder Institut für Roboterforschung. Dann aber wurde ich eines Tages von einem Konzern um eine technische Entwicklungsidee für eine lokale Straßenbahngesellschaft gebeten. Das Komplizierteste an der Aufgabe war für mich, dass ich erstmals eine Rechnung schreiben musste – als wissenschaftlicher Beamter. Das war, wenn man so möchte, der Anfang meiner Unternehmerlaufbahn. Danach arbeitete ich tagsüber an der TU und in der restlichen Zeit für meine Ein-Mann-Firma. Diese Belastung konnte nicht von Dauer sein. Und so fasste ich 1988 – mit einem größeren Auftrag im Gepäck – den Mut für den kompletten Schritt in die Selbständigkeit.

Ultraschall-Schweißanlagen kombinieren höchste Geschwindigkeit mit größter Präzision.

Das war noch vor der Gründung von Hesse Mechatronics?

Hesse —

Ja, die erfolgte erst 1995. In den Jahren davor übernahmen wir unterschiedliche Dienstleistungsaufträge in den Bereichen Hard- und Software. So wuchs das Geschäft langsam, bis wir eines Tages mit der Entwicklung einer Steuerung für einen Bonder beauftragt wurden. Das war die erste Berührung mit Halbleitern. Hier ist Hesse Mechatronics ja heute zuhause. Das Gute damals: Wir hatten schon eine Variante der Lösung in der Schublade. Das Schlechte: Der Auftraggeber ging Konkurs, bevor er bezahlen konnte.

Dr. Hans Hesse

Hans Hesse ist Gründer und Geschäftsführer der Hesse GmbH, Paderborn. Nach seinem Studium der Physik an der WWU Münster und der Elektrotechnik an der Ruhr-Universität Bochum arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Fernuniversität Hagen und promovierte zum Dr.-Ing. im Fachbereich Elektrotechnik. Aus seiner Position als Akademischer Rat am Institut für Roboterforschung der Universität Dortmund heraus machte sich Hans Hesse 1988 selbständig.

Und somit befanden Sie sich in der ersten echten Krise?

Hesse —

Aus der wir mit Glück herausfanden. Wir hatten sehr viel Arbeit in das Projekt gesteckt, sodass ein Aufgeben für mich nicht in Betracht kam. Über einen Kontakt zur Wirtschaftsförderung führte mich der Weg zu einer KfW-Tochter nach Bonn, über die wir zwei Millionen Mark Förderung erhielten. Den konkreten Schritt dort hinein ermöglichte uns ein Kunde aus unserer Heimatregion Ostwestfalen. Der Unternehmer ließ sich von unserer Geschäftsidee überzeugen und stand für das Projekt als Leadinvestor zur Verfügung.

Eine zentrale Komponente in einem Bond-Automaten ist der Transducer, ein elektromechanischer Wandler, der ein Werkzeug zu Biegeschwingungen anregt.

Das Werkzeug, das optisch einer Nadel gleicht, drückt einen Draht auf die zu kontaktierende Stelle und schwingt dabei mit einer Frequenz von beispielsweise 100 KhZ (100.000 Mal je Sekunde) und mit einer Amplitude von einigen Mikrometern (einige tausendstel Millimeter) hin und her. Auf diese Weise wird über einen Reibschweißprozess innerhalb einiger tausendstel Sekunden eine leitende Verbindung hergestellt.

Da waren also mit der Fördergesellschaft und dem erfahrenen Unternehmer zwei, die an Sie und ihr Projekt glaubten …

Hesse —

Das war insbesondere am Anfang extrem wichtig. Darüber hinaus brauchte es im Rückblick auch ein gewisses Maß an Naivität: Ich begann die Entwicklung unserer Maschinen in der Annahme, dass wir unseren Kunden lediglich eine geeignete Kinematik – einfacher gesagt die Bewegungsmechanik – mit hinreichender Genauigkeit und Dynamik zur Verfügung stellen müßten. Der Kunde war ja Experte für die grundlegende Technologie. Ich ging insoweit irrtümlicherweise davon aus, dass wir die zentrale Komponente, den elektromechanischen Wandler, nur zukaufen würden müssen. Als wir die erste Maschine fertig hatten, stellte sich das aber als große Fehleinschätzung heraus.

Und so haben Sie sich auch dieser Aufgabe angenommen?

Hesse —

Wohl oder übel, denn ein Zurück gab es natürlich nicht. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich den Bonder vielleicht nie entwickelt und wäre vor der Aufgabe zurückgeschreckt. Im Nachhinein war meine Unkenntnis also eine wichtige Voraussetzung dafür, dass ich den Mut gefasst habe, die Aufgabe anzunehmen. Wenn mir heute junge Unternehmer ihre Ideen vorstellen, erkenne ich so manches Mal genau diese Abenteuerlust wieder, die ihnen dabei helfen wird, so manche Hürde auf ihrem Weg zum Erfolg zu überwinden.

Batterietechnik ist eines der zahlreichen Anwendungsgebiete, in der Bonder und Smart Welder zum Einsatz kommen.

Der Weg des Unternehmers ist also nicht frei von Überraschungen. Ging das bei Ihnen immer gut?

Hesse —

Sagen wir es so: Es sind nicht nur Überraschungen technischer Natur, Überraschungen können aus allen Bereichen des Lebens kommen und in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich sein. In jedem Falle gilt, ein gewisses Maß an Resilienz ist für alle Unternehmer nicht verkehrt. Ich musste beispielsweise feststellen, dass mich ein Geschäftspartner über Jahre wirtschaftlich hintergangen hatte. In solch kritischen Situationen braucht man viel Kraft, um kämpfen zu können. Auf der anderen Seite braucht man Raum, in dem man abschalten und neue Kraft tanken kann. Zudem muss man Menschen haben, denen man vertrauen und die man um Rat fragen kann. Der Grat, auf dem ein Unternehmer wandelt, ist manchmal sehr schmal – aber, um Ihre Frage zu beantworten, letztendlich hat sich immer eine Lösung gefunden.

Vertraute sind wichtig. Auch bei der Entwicklung von neuen Ideen?

Hesse —

Unbedingt. Marktfähige Innovationen entstehen, indem man verschiedene Perspektiven zusammenbringt. So tausche ich mich etwa sehr gerne mit Prof. Wallaschek aus, mit dem wir seit mehr als 25 Jahre zusammenarbeiten. Er leitet an der Universität Hannover das Institut für Dynamik und Schwingungen. Aber auch unsere Kunden sind für mich und für uns als Firma wichtige Austauschpartner, wenn es um neue Entwicklungen geht. Der Dialog mit ihnen liefert uns sehr spezifische Triggerpunkte, an denen wir mit unseren Weiterentwicklungen anknüpfen. Das funktioniert natürlich nur mit wechselseitigem Vertrauen, ohne Vertrauen trifft man auf eine „Mauer des Schweigens“. Das Vertrauen haben wir uns erarbeitet, diese „Mauer des Schweigens“ durchbrochen und durch vertrauensvolle Zusammenarbeit ersetzt.

Haben Sie manchmal Sorge, dass Sie wichtige Innovationen verpassen?

Hesse —

Als Spezialisten bewegen wir uns in einem sehr kleinen Markt, den wir gut kennen. In Deutschland haben wir nur einen Mitbewerber, darüber hinaus gibt es drei bis fünf weitere weltweit. Aber in einer Zeit der raschen Veränderungen sind wir natürlich nicht vor Überraschungen geschützt. Deshalb setzen wir neben unserer eigenen Innovationsarbeit auch auf Kooperationen mit Hochschulen und großen Unternehmen der Elektronikindustrie. Als führendes Unternehmen am Markt stehen wir immer unter dem Druck, mit der richtigen Maschine zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu stehen. Dieser Aufgabe nehmen wir uns jeden Tag aufs Neue an.

Hesse Mechatronics beschäftigt aktuell ca. 220 Mitarbeiter in Deutschland, Hongkong, Japan und den USA. Der Stammsitz in der Lise-Meitner-Straße, der erst vor gut drei Jahren fertiggestellt wurde, wird aufgrund der benötigten Kapazitäten für mehrere Millionen Euro nochmals erweitert.

Herunterladen
zurück
INDUS-TICKER 2020